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Autor
Segal, Emily

Rückläufiger Merkur

Untertitel
Aus dem Englischen von Cornelia Röser
Beschreibung

Emily fühlt sich als Teil ihres KünstlerInnen-Kollektivs nicht mehr ausgelastet. Die Freundschaften, die sie dort geschlossen hat, beginnen sie einzuengen, und so entschließt sie sich zu einem Befreiungsschlag in Form eines Karrierewechsels: Sie fängt bei der ebenso aufregenden wie rätselhaften Firma eXe an, deren Chefs, die sogenannten Gründerjungs, in ihrem Auftreten das Enigmatische, Willkürliche und unhinterfragbar Machtvolle perfektioniert haben. Das bedeutet für Emily als Person ebenso wie für ihre Arbeit als Marketingchefin, dass sie der Gegenwart immer ein Stück voraus sein muss, um diese schon gestaltend zu formen, noch bevor sie eingetreten ist. Dabei ist es ebenso wichtig, dass sie ihr kollegiales und freundschaftliches Umfeld, dabei keinen Moment aus den Augen lässt.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Matthes & Seitz Berlin, 2022
Format
Gebunden
Seiten
221 Seiten
ISBN/EAN
978-3-7518-0080-8
Preis
22,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Emily Segal, 1988 in New York geboren, lebt als Künstlerin, Autorin und Trendprognostikerin in Los Angeles. Sie ist Mitbegründerin des Beratungsunternehmens Nemesis und des Verlags Deluge Books. Als Mitglied des Künstlerkollektivs K-HOLE prägte Segal den für die 2010er-Jahre popkulturell einflussreichen Begriff »normcore«. Mercury Retrograde ist ihr erster Roman.

Zum Buch:

Emily fühlt sich als Teil ihres KünstlerIinnen-Kollektivs nicht mehr ausgelastet, die Freundschaften, die sie dort geschlossen hat, beginnen sie einzuengen, und so entschließt sie sich zu einem Befreiungsschlag. Dieser kommt in Form eines Karrierewechsels: Sie fängt bei der ebenso aufregenden wie rätselhaften Firma eXe an, deren Chefs, die sogenannten Gründerjungs, in ihrem Auftreten das Enigmatische, Willkürliche und unhinterfragbar Machtvolle perfektioniert haben.

Die Branche oder das Unternehmen zu beschreiben, das sie führen, ist an sich schon eine Herausforderung: Ist es eine Marketingfirma, die nichts vermarktet, oder ein Ort werbungsästhetischer Kunstproduktion ohne Werke und KünstlerInnen? Emily Segals Roman, der stark durch ihr eigenes Berufsleben inspiriert ist, verhandelt nicht weniger als die Absurditäten der gegenwärtigen New Yorker Arbeitswelt, in der popkulturelle Codes von Kleidung, Haltung und sozialer Positionierung Gegenstand andauernder (Selbst-) Betrachtung, Transformation und Verwerfung sind. Bei aller Schwierigkeit, die Werte oder Wertigkeiten zu beschreiben, die dieser Branche und den Personen dieses Romans wichtig sind, bleibt der Roman sehr gut lesbar und entfaltet seine Stärke gerade da, wo Segal in Gesprächen und Interaktionen ihre genauen sozialen Beobachtungen, die Relevanz ihrer Betrachtungen über den Kunst- und Werbungsmarkt hinausgehend spürbar macht.

Segals Rückläufiger Merkur beschreibt nicht nur die in der (post-)kapitalistischen Gesellschaft unmöglich oder obsolet gewordene Trennung von Selbstverwirklichung und Selbstvermarktung, sondern stellt auf bemerkenswerte Weise die Frage nach gegenwärtiger, sich im digitalen Raum verselbstständigender Kunst. Bei den Beschreibungen mag man in dem Roman eine satirische Übertreibung sehen wollen, der Ton legt hingegen eine Glaubhaftigkeit nahe, die sich nicht auf die buchstäblichen Ereignisse beziehen muss, um Wahres über unsere Zeit sagen zu können.

Theresa Mayer, Frankfurt