Zum Buch:
Die CIA, die Central Intelligence Agency, ist der Auslandsgeheimdienst der USA. 1947 am Beginn des Kalten Krieges gegründet, beschäftigt sie heutzutage mehrere zehntausend Agenten, die weltweit operieren, und verfügt Experten zufolge über ein jährliches Haushaltsvolumen von rund 15 Milliarden US-Dollar. Tendenz sinkend, denn vor allem in Bezug auf ihre Einschätzungen zur russischen Einflussnahme bei der US-Wahl 2016 stellt der aktuelle Präsident der USA die Arbeit der Agency infrage.
Nachdem der US-amerikanische Journalist und Auslandkorrespondent Tim Weiner 2007 sein erstes Buch über die CIA veröffentlichte, für das er umgehend mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, erschien im vorigen Jahr eine, wenn man möchte, aktualisierte Ausgabe, die sich mit der Arbeit der Agency im 21. Jahrhundert befasst – und die gleich mit dem bis dato schwersten Schlag einsetzt, den die USA in ihrer Geschichte verkraften musste: die Anschläge des 11. September 2001.
Dass sich die Agency beim anschließenden „War on Terror“ keineswegs mit Ruhm bekleckerte, da sie Soldaten auf Grund von falschen, um nicht zu sagen: teils völlig erfundenen Voraussetzungen in den Krieg marschieren ließ, ist heute kein Geheimnis mehr.
Denn auch wenn ihre Aufgabe in erster Linie darin besteht, relevante Informationen zu beschaffen, so scheint es keineswegs vonnöten zu sein, dass die auch der Wahrheit entsprechen. Ob man daher nun vorhat, ausländische Wahlen zu manipulieren, eine Regierung zu stürzen oder gar ein ganzes Land auszulöschen: Der Zweck heiligt die Mittel allemal. So das mögliche Credo der Agency.
Tim Weiners Geschichte der CIA im 21. Jahrhundert liest sich daher wie die unglaubliche Aneinanderreihung fatalster Fehler, basierend auf eklatanten Fehleinschätzungen, und am Ende dieses ebenso erhellenden wie spannenden Buchs stellt man sich unweigerlich die Frage, wie es bei anderen Nachrichtendiensten im In- und Ausland bestellt sein mag.
Axel Vits, Köln