Zum Buch:
Der Titel dieser Biographie mag plakativ klingen – der Inhalt ist es nicht. Sandra Arango war 15 Jahre alt, als ihr Vater, ein ranghoher Führer der “Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens” (FARC), sie in ein Ausbildungscamp der Guerilla holt. Elf Jahre, bis zu ihrer Verhaftung, lebte sie als Guerillera. Im Frauengefängnis “Buen Pastor” in Bogotá hat Sandra Arango der deutschen Journalistin Cornelia von Schelling (die selbst in Kolumbien aufgewachsen ist) ihre Lebensgeschichte erzählt. Entstanden ist dabei ein Bericht, der sich durch seine Vielschichtigkeit und selbstkritische Reflektion auszeichnet und auch Einblicke in das Alltagsleben der FARC gibt. Er schildert die Tragik eines Mädchens, das, von der Mutter abgelehnt, sich ganz dem Vater vertraut und ihm zuliebe einen Lebensweg geht, den es unter normalen Umständen nicht gegangen wäre. Trotz der langen Zeit in den Reihen der FARC hat Arango nach eigenen Angaben nie eine Waffe auf andere gerichtet, und durch das ganze Buch zieht sich eine gewisse innere Distanz zum rigiden und autoritären Lagerleben. Gleichzeitig erlebt Arango die Zugehörigkeit zu einer verschworenen Gemeinschaft als Geborgenheit, und es kam ihr nie in den Sinn, die Kameraden zu verraten oder zu fliehen. Einerseits spioniert sie einen kleinen Ort bei Tunja für einen geplanten Überfall der FARC aus, andererseits versucht sie, die Bespitzelten vor dem Angriff zu warnen. Viele ihrer Kampfesgenossen erlebt sie als unreflektierte Draufgänger, und häufig erscheint ihr der Guerilla-Alltag weit entfernt von hehren revolutionären Zielen. Besonders leidet sie daran, dass sie ihr Kind drei Monate nach der Geburt abgeben muss. In seiner schlichten, ungekünstelten Sprache schildert dieses Buch ein Lebensschicksal mit seinen Widersprüchen, ohne dabei in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Christoph Dietz (Bücher zu Lateinamerika)