Marçal Aquino wurde 1958 in Amparo/São Paulo geboren. Arbeitete zunächst als Journalist, bevor er begann, Kinderbücher, Drehbücher und Romane zu schreiben. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche renommierte Preise.
Zum Buch:
Der Roman spielt in einem Goldgräberstädtchen im Bundesstaat Pará im Nordosten Brasiliens.
Cauby und der kahlköpfige Altino sitzen in der Pension von Dona Jane und erzählen sich ihre (Liebes)geschichten). Auf der Treppe sitzt ein Junge und hört zu; später wird er die Erlebnisse des Kahlköpfigen mit seinem Tonband aufzeichnen.
Altino hatte sich unsterblich in seine Kollegin Marinês verliebt und war aus diesem Grunde in dem von Unruhen erschütterten Städtchen gelandet. 30 Jahre wartete Altino vergeblich auf die Erfüllung seiner Liebe. Denn Marinês hielt ihrem Verlobten auch nach dessen Tod die Treue.
Cauby ist Fotograf und sein Beruf (er arbeitet an einer Fotoserie über Prostituierte) hat ihn in diesen düsteren Ort verschlagen. Hier begegnet eines Tages Lavínia. Er verliebt sich sofort in die labile junge Frau, die sich ihm gegenüber mal verschlossen und ablehnend, mal leidenschaftlich verhält und ihm, dem 20 Jahre Älteren, in sexueller Hinsicht noch neue Erfahrungen vermittelt. Bei diesem unklaren Verhalten sucht Cauby Hilfe in den Weisheiten von Professor Benjamim Schianbergs Elaborat Was wir in der Welt sehen. Es hilft ihm nicht viel. Denn Lavínia ist verheiratet. Ihr Mann ist Pastor in einer der expandierenden Kirchen Brasiliens. Er hatte die drogenkranke Lavínia buchstäblich von der Straße geholt, wo sie als Prostituierte lebte.
Das nimmt kein gutes Ende, denkt der Leser und so endet die Geschichte für Cauby auch tragisch. Der Killer warnt ihn und führt seinen Mordauftrag nur deshalb nicht aus, weil Cauby ihm einmal half, sein Auto wieder flott zu machen. Auch die Aufforderung des zynischen Redakteurs Flieh und nimm die Dame mit beachtet Cauby nicht. Am Ende kann er froh sein, dank der Aufmerksamkeit von Dona Jane mit 17 Knochbrüchen, einem verlorenen Auge und seinem abgefackelten Haus überhaupt überlebt zu haben.
Der Roman besteht zum Teil aus kunstvoll miteinander verschränkten Rückblenden der beiden Erzählenden, sowie aus einem separaten Abschnitt über die Geschichte der Lavínia. Es gibt leider nicht viele so virtuos erzählte Romane, die die Leser von der ersten bis zur letzten Zeile zu fesseln vermögen und die man dann voller Bedauern am Ende aus der Hand legt. Marçal Aquinos wunderbare Liebesgeschichte aber gehört ohne Zweifel zu diesen Leseerlebnissen.
Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika)