Zum Buch:
Die niederländische Westindische Kompanie, ein Staat im Staate, kämpfte gegen das katholische Spanien/Portugal seit den 20erJahren des 17. Jahrhunderts um die Vorherrschaft in Brasilien. 1630 wurden die Städte Recife und Olinda im Zuckeranbaugebiet Pernambuco erobert. Für die Sicherung setzte man Johann Moritz von Nassau-Siegen, der sich in diversen militärischen Auseinandersetzungen im Dreißigjährigen Krieg einen Namen gemacht hatte, als Generalgouverneur ein. Beim Herrschaftsantritt befanden sich in seiner Begleitung außer einigen Wissenschaftlern für die Erforschung des unbekannten Landes, auch die Maler Albert Eckhout und Frans Post. Sie dokumentieren mit ihren Zeichnungen und Gemälden die wahre Inbesitznahme des neuen Territoriums mit ihren Pflanzen, Tieren, einheimischen Bewohnern und: Sklaven. Und sie tragen mit ihren Arbeiten nach der Rückkehr des Gouverneurs auch mit dazu bei, Johann Moritz als wohlwollenden und toleranten Kolonialherren erscheinen zu lassen.
Die hier vorliegende überarbeitete und mit vielen Illustrationen ausgestattete Dissertation beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Bildzyklus, den Albert Eckhout im Auftrag von Johann Moritz nach der Rückkehr in den Jahren 1646 bis 1653 anfertigte. Acht von diesen insgesamt 21 Gemälden sind als Bildpaare konzipiert, die im übrigen in fast allen Büchern über Brasilien immer wieder abgebildet und daher einer breiten Leserschaft bekannt sein dürften, und zeigen jeweils ein weibliches und männliches Mitglied der verschiedenen Indianerstämme, der aus Afrika eingeschleppten Sklaven und der einheimischen Mischbevölkerung.
Die Autorin begründet in ihrer interessanten Arbeit sehr anschaulich und auch für interessierte Laien nachvollziehbar, daß die Gemälde keineswegs neutrale Abbilder der verschiedenen Bevölkerungsgruppen darstellen, sondern als künstleriche Repräsentationen, die Alterität aus einer dezidiert eurozentrichen Perspektive konstruieren. (S. 9) und relativiert damit die selbst in Brasilien vorherrschende Meinung und Verehrung (auch immer noch für Johann Moritz!), die diesen Dokumenten bis heute entgegengebracht wird.
Eine lesenswerte Arbeit nicht nur über den eurozentrierten Blick auf Brasilien, sondern grundlegend für eine kritische Bestandsaufnahme so manch anderer, scheinbar objektiven Dokumente.
Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika)