Aktuelle Empfehlungen

Drucken

Aktuelle Empfehlungen

Autor
Iskra, Maja

Uppercut

Untertitel
Roman. Aus dem Serbischen von Mascha Dabić und Maja Iskra
Beschreibung

Uppercut von Maja Iskra erzählt vom Aufwachsen eines jungen Mädchens im Belgrad der 90er-Jahre – im Stadtteil Dorćol, heute gentrifizierter Künstler*innenbezirk, damals von Krieg, Gewalt und Armut geprägt. Heute lebt die Protagonistin in Wien und erzählt in Flashbacks von ihrer Kindheit, von der Gewalt, die sie geprägt hat, aber auch von den Beziehungen, die sich in und durch diese Verhältnisse gebildet haben, von Freundschaft, Solidarität und Familie.

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Zsolnay Verlag, 2026
Format
Gebunden
Seiten
160 Seiten
ISBN/EAN
978-3-552-07573-3
Preis
23,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Maja Iskra wuchs in Belgrad auf, studierte in Wien und Valencia und lebt seit über zwanzig Jahren in Wien. Sie ist Landschaftsarchitektin und Medienkünstlerin und arbeitet an der Schnittstelle von Stadtentwicklung und visueller Kommunikation. Ihr Debütroman Uppercut war Finalist für den serbischen Beogradski Pobednik Preis und den Zlatni Suncokret Preis 2023 und stand auf der Longlist des NIN Preises, des Laza Kostić Preises sowie des regionalen Meša Selimović Preises. Ihre Erzählung Hiraeth gewann 2018 den zweiten Platz beim European Short Story Festival.

Mascha Dabić, geboren 1981 in Sarajevo, übersetzt Literatur aus dem Balkanraum, u.a. von Barbi Marković, Svetislav Basara, Dragan Velikić, Damir Ovčina und Goran Ferčec. Sie lebt in Wien, arbeitet als Dolmetscherin und lehrt an den Universitäten Innsbruck, Graz und Wien.

Zum Buch:

Uppercut von Maja Iskra erzählt vom Aufwachsen eines jungen Mädchens im Belgrad der 90er-Jahre – im Stadtteil Dorćol, heute gentrifizierter Künstler*innenbezirk, damals von Krieg, Gewalt und Armut geprägt. Heute lebt die Protagonistin in Wien und erzählt in Flashbacks von ihrer Kindheit, von der Gewalt, die sie geprägt hat, aber auch von den Beziehungen, die sich in und durch diese Verhältnisse gebildet haben, von Freundschaft, Solidarität und Familie.

In Wien begegnet die Ich-Erzählerin nachts in einer Bar einem Mann, Faris. Sie teilen ihre Liebe zur Musik und ihre Herkunft aus Jugoslawien. Auch Faris wohnt schon länger in Wien. Wenn er an seine Kindheit denkt, denkt er an den Krieg, versucht, sich von der erlebten Gewalt und dem Krieg möglichst weit zu entfernen. Anders als in den kurzen Einblicken in Faris Leben geht es im Leben der Protagonistin, und damit auch im Text, nicht um Krieg – umso mehr aber von der alltäglichen Gewalt, die sich in den Körpern der Menschen festgesetzt hat. Sie berichtet von ihrer Schulzeit, vom Umgang ihrer Mitschüler*innen, von Faustkämpfen, vom Ausgeschlossensein, von der Angst vor der Dunkelheit und der Flucht vor dem Zuhause und der Schule, die Orte, in denen sie Sanktion und Härte erfährt. Eine Härte, die sie selbst braucht, um sich durchzusetzen – mit den Fäusten, die sie wörtlich durch ihre Kindheit und Jugend getragen haben. Die aber die Zärtlichkeit und die Solidarität, die sie in Momenten der Freundschaft erlebt hat, nicht mindert.

Im Text entspinnt sich ein Verhältnis zur Gewalt, die den Kampf als eine Notwendigkeit darstellt, die mit der erlebten Zärtlichkeit im Einklang stehen und Teil davon sein kann. Besonders in den rasanten Gegenüberstellungen im ersten Teil des Textes zeigt sich das deutlich. Wenn Faris von Gewalt erzählt, dann vom Krieg, von den Waffen, die beide verabscheuen. Sie hingegen findet Stärke in der eigenen Kraft, in dem Wissen, sich mit dem eigenen Körper durchsetzen und jeden verprügeln zu können. Der Roman deutet die politische Gewalt des Krieges und die patriarchale Gewalt um in eine (weibliche) Selbstermächtigung, die Gewalt zum Zweck hat, aber nicht zum Ziel.

Die Sequenzen in Wien und in Belgrad werden am Anfang in schnellem Rythmus gegenübergestellt und wechselseitig aufgegriffen, wenn die Gespräche zwischen der Protagonistin und Faris in die Flashbacks übergehen. Später wird der Text ruhiger, wenn Gegenwart und Vergangenheit sich einander annähern und die erzählte Protagonistin immer mehr eins mit sich wird. Seinen Sog verliert er bis zum Ende nicht.

Paula Blömers, autorenbuchhandlung marx&co, Frankfurt