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Tierreich

Autor
Del Amo, Jean-Baptiste

Tierreich

Untertitel
Aus dem Französischen von Karin Uttendörfer
Beschreibung

In einem kleinen Bergdorf züchtet eine Bauernfamilie Schweine und kämpft gegen die täglichen Widrigkeiten an, die ihr karges Leben bestimmen. Die Geburt einer ungewollten Tochter sowie der Ausbruch des Großen Krieges liefern die Ausgangspunkte für eine aus Gewalt beherrschte Zukunft, die sich gleichsam gegen Mensch und Tier richtet. Ein Jahrhundertroman. Ebenso rau wie das Land und seine Bewohner.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Matthes & Seitz Berlin, 2019
Seiten
440
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-95757-686-6
Preis
26,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Jean-Baptiste Del Amo, 1981 in Toulouse, Frankreich, geboren, ist Schrifststeller. Nachdem er für seinen Debütroman Die Erziehung den Prix Goncourt erhielt, wurde er für seinen vierten Roman Tierreich mit dem Prix du livre inter ausgezeichnet.

Zum Buch:

Das nur wenige hundert Seelen zählende Dorf Puy-Larroque klebt wie eine Molluske in den kargen Hügeln Okzitaniens. Dort, oberhalb eines Berghangs, bewirtschaftet ein junges Ehepaar einen kleinen Hof und züchtet Schweine. Es gibt in der Region nur noch wenige Pachtbauern wie sie, denn der Boden ist steinig und gibt nur allzu widerspenstig etwas von dem zurück, was sie mit unausgesetzter Mühe säen. Und im gleichen Maße rau wie das Land geben sich auch seine Bewohner. Der Mann redet so gut wie nie. Die Frau spricht allein zu ihrem Gott, dessen Hartherzigkeit sie für eine Art Nagelprobe hält, und des Abends, wenn sie bei Tisch zusammenkommen, verzehren sie schweigend einfachste Speisen, deren Reiz allein in der Sättigung besteht. Dann wird ihnen eine Tochter geboren, Éléonore, Frucht eines spröden, eher tierischer Läufigkeit gehorchenden Aktes, die von der Mutter jedoch nur Ablehnung erfährt. Da ihre Brust keine Milch geben will, nimmt diese eines der Ferkel von der Sau fort und legt dafür Éléonore an die Zitze. Dem Ferkel bricht sie das Genick.

Allein beim Vater, dessen gesundheitlicher Zustand sich mit jedem nächsten Tag auf dem Feld zu verschlimmern droht, findet sie ein wenig Geborgenheit, doch nach einem weiteren harten Winter stirbt er.

Marcel, ein Cousin aus dem Nachbarort, soll die Arbeitskraft des Vaters ersetzen, und während die in ihrer Frömmelei keinen Widerspruch duldende Witwe ihr nur noch mehr Kaltherzigkeit entgegenbringt, hält Éléonore daran fest, dass das, was sie für den Cousin empfindet, dann Liebe sein müsse.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzt dem Fortbestand der Züchterei zunächst ein jähes Ende, doch die Zeiten ändern sich und bald schon wird die Saat gesät für eine Zukunft, die über mehrere Generation hinweg fortbesteht und die allein durch rohe Gewalt geprägt ist, welche sich in gleichem Maße gegen Mensch und Tier richtet. Ein absehbares Unheil nimmt seinen Lauf.

Beinahe anderthalb Jahre habe ich auf einen Roman wie diesen gewartet. Anderthalb Jahre, in denen ich mich als Vielleser und Rezensent eher verzweifelt durch mir nur herzlich wenig sagende, eher fade Texte gekämpft und mich lieber noch an Sachbücher gehalten habe, kam mir das meiste, das ich da las, doch bekannt und wie schon zum x-ten Mal durchgekaut vor. Doch hat sich das Warten mehr als gelohnt. Der französische Autor Jean-Baptiste Del Amo hat mit seinem Roman Tierreich ein Buch vorgelegt, das ohne jegliche Übertreibung als Meisterwerk beschrieben werden kann, und man fragt sich am Ende der Lektüre, was da noch folgen soll. Seine Wortgewandtheit, seine wie in Stein gemeißelten Sätze und die Bilder, die er heraufbeschwört, lassen sich, wenn überhaupt, nur mit einem William Faulkner vergleichen und zeugen trotz oder gerade wegen ihrer oftmals ungebremsten Härte von einer ungeheuren Sensibilität sowie einer ausgesprochenen Begabung exakten Beobachtens.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln