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Ich kann dich hören

Autor
Mevissen, Katharina

Ich kann dich hören

Untertitel
Roman
Beschreibung

Osman Engels ist Musikstudent. Er liebt und hasst sein Cello, ringt mit ihm und der Musik, die ihn seit seinem vierten Lebensjahr umfängt, verfolgt, begleitet.

Osman schlingert durch sein Leben, suchend nach Halt irgendwo zwischen den Fußballkumpels, die seinem Alltag zwischen Musikhochschule und Konzerten nicht ferner sein könnten und dem in einer unverbindlichen WG, in der er ab und zu den Espresso und dann auch mal das Bett mit der schönen, aber unnahbaren Luise teilt.

Katharina Mevissen ist mit ihrem Debütroman ein großer Wurf gelungen, der sich als schmales Büchlein tarnt. Es geht um die manchmal quälende Liebe zur Musik, um eine Suche, auf die man sich bisweilen begeben muss, ohne das Ziel zu kennen, und um Lebensträume, für die es nie zu spät ist.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Wagenbach Verlag, 2019
Seiten
168
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-8031-3306-9
Preis
19,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Katharina Mevissen ist 1991 geboren und bei Aachen aufgewachsen. An der Universität Bremen hat sie Kulturwissenschaft und transnationale Literaturwissenschaft studiert und in Berlin eine Drehbuch-Ausbildung absolviert. Bis 2017 war sie Heinrich-Böll-Studienstipendiatin. Für ihr Romanmanuskript erhielt sie das Bremer Autorenstipendium 2016. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Berlin, zudem leitet sie die von ihr mitgegründete gebärdensprachliche Literaturinitiative »handverlesen«.

Zum Buch:

Osman Engels ist Musikstudent. Er liebt und hasst sein Cello, ringt mit ihm und der Musik, die ihn seit seinem vierten Lebensjahr umfängt, verfolgt, begleitet. Der Vater Suat, ebenfalls Musiker, ist der Karriere und der Geige, seinem eigenen Instrument, näher als seinen beiden Söhnen.

Der eine Sohn hat sich längst aus dem gemeinsamen Zuhause verabschiedet, lebt weit weg sein eigenes Leben. Und der andere schlingert durch seines, suchend nach Halt irgendwo zwischen den Fußballkumpels, die seinem Alltag zwischen Musikhochschule und Konzerten nicht ferner sein könnten und dem in einer unverbindlichen WG, in der er ab und zu den Espresso und dann auch mal das Bett mit der schönen, aber unnahbaren Luise teilt.

Und dann ist da noch Tante Elide, die zu Hause immer alles zusammen gehalten hatte und einfach da war nachdem die Mutter… und die jetzt, nach dem Unfall und der Verletzung von Suat plötzlich alles hinschmeißt, einfach beginnt die Wohnung aufzulösen, während ihr Bruder noch seine verletzte Musik-unfähige Hand im Krankenhaus versorgen lassen muss. Immer wieder klingelt Osmans Handy, im Display jedes mal der Name seiner Tante, aber er kann nicht mit ihr sprechen, nicht jetzt, obwohl er doch müsste. Tante Elide lässt sich nicht beirren und fordert nach Jahren ihr Leben zurück, spricht plötzlich fast nur noch türkisch mit Osman und zwischen den Umzugskisten auch von Paris, der Stadt, die damals Elides Zukunft hätte werden sollen, wenn Osmans Mutter nicht…

Beim Ausräumen der Wohnung findet sich zwischen Suats Sachen dann ein Foto, das alles verändert.

Verstört und seiner bisherigen Lebensgeschichte irgendwie beraubt, streunt Osman durch die Stadt und findet ein Diktiergerät mit der Stimme und Geschichte einer fremden Frau. Wie ein Ertrinkender klammert er sich an diese Stimme, hört die Aufnahmen immer wieder, die Worte aus einer anderen Welt, in der ein Mensch gänzlich ohne Geräusche lebt und das nicht mehr will.

Katharina Mevissen ist mit ihrem Debütroman ein großer Wurf gelungen, der sich als schmales Büchlein tarnt, dessen Cover einen zweiten Blick lohnt. In ungemein dichten Bildern erzeugt Ich kann Dich hören eine große Nähe zu seinen Figuren, ohne sie auszuerzählen. Es geht um die manchmal quälende Liebe zur Musik, um eine Suche, auf die man sich bisweilen begeben muss, ohne das Ziel zu kennen, und um Lebensträume, für die es nie zu spät ist.

Larissa Siebicke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt